Juli 2019 – Tomatenrostmilben

Anfang Juli beobachteten wir an einer von 10 Tomatensorten, der Aromastar, trockene Blätter. Die Blattachsen waren deformiert und die Blätter trockneten in kurzer Zeit aus, ganz ohne Verfärbungen oder braun zu werden, wie es in den online kursierenden Beschreibungen als erste Sypmtome auf Rostmilben beschrieben wird. Daher vermuteten wir anfangs eine höhere Sonnenempfindlichkeit der Tomatensorte. Es waren in relativ kurzer Zeit immer mehr Blätter befallen, beginnend von unten. Daraufhin haben wir detailierter hingeschaut und entdeckten kleine, nach roststaub aussehende Stellen. Mit dem Makroobjektiv betrachtet war es dann ganz eindeutig. Rostmilben! Die Recherche im Netz ergab, dass es sich um einen hier um einen Neopythen handelt, der erstmals 1991 in Bayern festgestellt wurde. Dank der Klimaerwärmung wandert er gen Norden. Es wird prognostiziert das die Milbe das Potential hat, die Braunfäule als Nr.1 Krankheit der Tomaten abzulösen. Der Befall wird oft erst spät entdeckt. Die Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft hat 3 Raubmilbenarten untersucht, befallsdezimierend war nur die Raubmilbenart Amblyseius spec. Allerdings auch nur dann, wenn der Befall noch nicht sonderlich fortgeschritten war.

Was also tun?
Als erstes haben wir die deutlich befallene Tomate stückweise aus dem Gewächshaus getragen. die danebenstehende Fleischtomate hatte ebenfalls schon erste Anzeichen. Die ebenfalls zu killen hatten wir aber nicht übers Herz gebracht, da sie besonders viele und große Früchte angesetzt hatte. Eine Malakhitovaya Shkatulka, deren Früchte erfahrungsgemäß sehr lecker sind.
Als zweite Aktion haben wir Rapsöl mit Wasser auf die zweite befallene Pflanze und deren Früchte gespritzt. Dabei muss die Sprühflasche stark geschüttelt werden um überhaupt eine Vermischung zu erzielen. Ging mehr schlecht als recht. Einige Tage Später haben wir mit Niemöl nachbehandelt. Noch einige Tage Später kamen die Nützlinge an, die oben genannten Raubmilben. Bis jetzt blieb die Entwicklung der Rostmilben stehen, es hat sich nichts mehr verschlechtert. Wir hoffen jetzt alles bis zur Ernte durchzubekommen. Als Notfallmittel wäre Netzschwefel denkbar, ein für den Bioanbau zugelassenes Mittel, auf das wir jedoch gern verzichten wollen, da es auch Nützlinge dezimiert. Die Gefahrenhinweise lesen sich auch nicht sonderlich gut. Weiterschauend für das nächste Jahr werden wir im hoffentlich frostigen Winter einige Scheiben aus dem Gewächshaus nehmen, damit der Frost auch im GWH wirken kann. Dann wollen wir einen Fruchtwechsel anstreben, indem wir jährlich Tomaten und Gurken im Wechsel anbauen. Dazu brauchen wir noch ein 2. Gewächshaus. Im letzten Jahr freut man sich noch bis Dezember keine Braunfäule sehen zu müssen und schon bekommt man die Rechnung mit dem bis dato noch nie aufgetretenem Neophyten namens Tomatenrostmilbe. Überwintern können Rostmilben in milden Wintern sowie im Gewächshaus. Als Pflanzen nutzen sie dann dort überwinternde Nachtschattengewächse wie Andenbeeren. Diese werden wir daher nicht mehr über den Winter bringen, sondern lieber jedes Jahr neu aussähen. Einen Bodenaustausch wäre sinnvoll, hier scheuen wir aber noch den Bodenaustausch, zumal auch im Winter Salate u.a. dort wachsen. Wir hoffen das unsere Maßnahmen ausreichen um im nächsten Jahr davon verschont zu bleiben.. 

Nachtrag Dez. 2019:
Letztendlich waren in den Folgemonaten nach dem Juli alle Pflanzen betroffen, einige mehr andere weniger. Manche starben total ab, besonders auffällig die Sorte Aromastar (=Black Cherry). Im Gewächshaus waren die Pflanzen im Schnitt noch am wenigsten befallen, obwohl es dort begann. Vermutlich aufgrund des Einsatzes von Nützlingen. Trotzdem war die Ernte noch ausreichend aufgrund unserer vielen Pflanzen in diesem Jahr. Das Behandeln mit Niemöl haben wir nur anfangs versucht, aber weil wir keine öligen Früchte ernten wollten es dann dabei belassen. Für die Zukunft kommen daher für uns nur Nützlinge in Frage, plus Fruchtwechsel, sofern ein 2. Gewächshaus zur Verfügung steht. Die Nützlinge sind natürlich nicht gerade preiswert, daher sind mehrere Behandlungen im Jahr wenig sinnvoll.

 

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